Anfang dieser Woche an der Infanterieschule in Hammelburg. Mister Farenfield, seines Zeichens Major in der Army der Vereinigten Staaten und ehemaliger Kommandeur einer combat brigade im Irak auf die Frage nach den Aussichten im mittleren Osten:
Der hagere Offizier in Wüstentarn bedient in keiner Weise mein latent vorhandenes Vorurteil von US-Militärs als Cowboys mit rauchenden Colts. Seine Sicht auf Politik, Gesellschaft und Militär ist ausgesprochen differenziert. Gestellte Fragen beantwortet der ruhige Mann mit den durchdringenden grauen Augen präzise und scharfsinnig, wobei er auch Missstände auf der eigenen Seite unverblümt und kritisch zur Sprache bringt.
Wichtig ist es ihm, eine deutliche Trennlinie zwischen den politischen Entscheidungsträgern in Washington und der operativen Führung im Irak zu ziehen. Klarzumachen, dass die Regierung nicht nur über das Ob, sondern auch über das Wie der Einsätze bestimmt. Dass bei diesen Entscheidungen weniger der Sachverstand sicherheits- und außenpolitischer Fachleute und Militärs entscheidend ist, als vielmehr die Meinungen ideologisch getriebener Schlüsselfiguren aus den inneren Kreisen der Entscheidungsträger.
Ein wenig Resignation ist dem Major auch anzumerken, wenn er von den unlösbaren Aufgaben im Irak berichtet, vor welche die personell und materiell massiv überlasteten US-Streitkräften von ihrer Regierung gestellt werden. Legt man die Berechnungsfaktoren eines aktuellen field manuals der Army zugrunde, währe Frieden und Stabilität in der Region mit einer Truppenstärke von ungefähr 500.000 Mann plus zivile Kräfte erreichbar. Momentan sind im Irak etwas über 130.000 Soldaten im Einsatz. Aber die aktuelle Administration verspricht ja durch ein baldiges Aufstocken der Kräfte endlich Erfolge herbeizuführen. Im Gespräch sind 12.000 Soldaten. You do the maths.
Und sogar fast wütend wirkt der Kommandeur, wenn er sich daran erinnert, wie er nord-westlich von Baghdad die Männer seiner Brigade wissentlich in einer aussichtslosen und immer weiter eskalierenden Lage verbraucht hat. Nur weil einige wichtige Menschen und mit ihnen der Präsident, Commander-in-Chief of the Armed Forces, es für opportun halten, diese 3500 Soldaten in einem Gebiet von der Größe Hessens zur Gleichen Zeit kämpfen zu lassen, friedenssichernd tätig zu sein und Wiederaufbauarbeit zu leisten. Ein Gebiet in dem sowohl durch die Langsamkeit der Regierung verpasste Chancen, als auch durch bewusste Fehlentscheidungen von Washington ein sinnlos brodelnder Kessel aus Krieg, Kriminalität, Bürgerkrieg, Armut und religiösem Fanatismus entstanden ist. It's not his problem. He won't run for president in 2008, anyway. And he'll make sure not to go into history as a coward president, intimidated by some random rag-heads.
Aber eines ist für Major Farenfield als Mensch beruhigend: Selbst wenn über 60% der amerikanischen Bevölkerung inzwischen gegen die Irakpolitik George W. Bush's sind, so steht sie doch zu 100% hinter ihren Truppen. Ein psychologischer Rückhalt für den Einzelnen, den Soldaten der Bundeswehr bei ihren Auslandseinsätzen nicht haben.
Sollte das amerikanische Engagement im Irak letzten Endes im buchstäblichen Sande verlaufen, droht den USA ein ungeheurer Glaubwürdigkeitsverlust auf der internationalen Bühne. Ziemlich jede auch noch so redliche Bemühung für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit wäre schon im Vorraus der Lächerlichkeit preisgegeben.
Der ein oder andere mag sich nun schadenfreudig die Hände reiben, doch sollte er dabei nicht vergessen, dass uns selbst ein ähnliches Debakel droht. Von den meisten Menschen unbemerkt entgleitet uns Europäern, mit dabei wir Deutschen, langsam aber sicher die Kontrolle über die Ereignisse in Afghanistan und im Kosovo. Die Gründe sind ähnlich und auch die Folgen würden ebenso verheerend sein. Was, wenn Afghanistan vollständig zurück ins Chaos verfällt? Was, wenn wir insbesondere im Kosovo versagen? Wer kann uns in der Welt noch ernst nehmen, wenn wir nichteinmal einen winzigen Landstrich vor unserer Haustür befrieden können?
Die Folgen eines solchen Versagens der westlichen Welt sind kein abstraktes sicherheitstheoretisches Konstrukt, sondern hätten eine heftige und sehr konkrete Veränderung unserer Art zu leben zur Folge. Dessen muss man sich bewusst sein.
We will not succeed in Iraq. You can quote me with name and rank. It 's common sense between foreign policy professionals and the military establishment. It is no secret. We will not succeed in Iraq.
Der hagere Offizier in Wüstentarn bedient in keiner Weise mein latent vorhandenes Vorurteil von US-Militärs als Cowboys mit rauchenden Colts. Seine Sicht auf Politik, Gesellschaft und Militär ist ausgesprochen differenziert. Gestellte Fragen beantwortet der ruhige Mann mit den durchdringenden grauen Augen präzise und scharfsinnig, wobei er auch Missstände auf der eigenen Seite unverblümt und kritisch zur Sprache bringt.
Wichtig ist es ihm, eine deutliche Trennlinie zwischen den politischen Entscheidungsträgern in Washington und der operativen Führung im Irak zu ziehen. Klarzumachen, dass die Regierung nicht nur über das Ob, sondern auch über das Wie der Einsätze bestimmt. Dass bei diesen Entscheidungen weniger der Sachverstand sicherheits- und außenpolitischer Fachleute und Militärs entscheidend ist, als vielmehr die Meinungen ideologisch getriebener Schlüsselfiguren aus den inneren Kreisen der Entscheidungsträger.
Ein wenig Resignation ist dem Major auch anzumerken, wenn er von den unlösbaren Aufgaben im Irak berichtet, vor welche die personell und materiell massiv überlasteten US-Streitkräften von ihrer Regierung gestellt werden. Legt man die Berechnungsfaktoren eines aktuellen field manuals der Army zugrunde, währe Frieden und Stabilität in der Region mit einer Truppenstärke von ungefähr 500.000 Mann plus zivile Kräfte erreichbar. Momentan sind im Irak etwas über 130.000 Soldaten im Einsatz. Aber die aktuelle Administration verspricht ja durch ein baldiges Aufstocken der Kräfte endlich Erfolge herbeizuführen. Im Gespräch sind 12.000 Soldaten. You do the maths.
Und sogar fast wütend wirkt der Kommandeur, wenn er sich daran erinnert, wie er nord-westlich von Baghdad die Männer seiner Brigade wissentlich in einer aussichtslosen und immer weiter eskalierenden Lage verbraucht hat. Nur weil einige wichtige Menschen und mit ihnen der Präsident, Commander-in-Chief of the Armed Forces, es für opportun halten, diese 3500 Soldaten in einem Gebiet von der Größe Hessens zur Gleichen Zeit kämpfen zu lassen, friedenssichernd tätig zu sein und Wiederaufbauarbeit zu leisten. Ein Gebiet in dem sowohl durch die Langsamkeit der Regierung verpasste Chancen, als auch durch bewusste Fehlentscheidungen von Washington ein sinnlos brodelnder Kessel aus Krieg, Kriminalität, Bürgerkrieg, Armut und religiösem Fanatismus entstanden ist. It's not his problem. He won't run for president in 2008, anyway. And he'll make sure not to go into history as a coward president, intimidated by some random rag-heads.
Aber eines ist für Major Farenfield als Mensch beruhigend: Selbst wenn über 60% der amerikanischen Bevölkerung inzwischen gegen die Irakpolitik George W. Bush's sind, so steht sie doch zu 100% hinter ihren Truppen. Ein psychologischer Rückhalt für den Einzelnen, den Soldaten der Bundeswehr bei ihren Auslandseinsätzen nicht haben.
Sollte das amerikanische Engagement im Irak letzten Endes im buchstäblichen Sande verlaufen, droht den USA ein ungeheurer Glaubwürdigkeitsverlust auf der internationalen Bühne. Ziemlich jede auch noch so redliche Bemühung für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit wäre schon im Vorraus der Lächerlichkeit preisgegeben.
Der ein oder andere mag sich nun schadenfreudig die Hände reiben, doch sollte er dabei nicht vergessen, dass uns selbst ein ähnliches Debakel droht. Von den meisten Menschen unbemerkt entgleitet uns Europäern, mit dabei wir Deutschen, langsam aber sicher die Kontrolle über die Ereignisse in Afghanistan und im Kosovo. Die Gründe sind ähnlich und auch die Folgen würden ebenso verheerend sein. Was, wenn Afghanistan vollständig zurück ins Chaos verfällt? Was, wenn wir insbesondere im Kosovo versagen? Wer kann uns in der Welt noch ernst nehmen, wenn wir nichteinmal einen winzigen Landstrich vor unserer Haustür befrieden können?
Die Folgen eines solchen Versagens der westlichen Welt sind kein abstraktes sicherheitstheoretisches Konstrukt, sondern hätten eine heftige und sehr konkrete Veränderung unserer Art zu leben zur Folge. Dessen muss man sich bewusst sein.






